Gruppenbild Weinlese 2020

Heute haben wir die letzte Fuhre der Weinlese 2020 eingebracht bei herrlichem Herbstwetter. Vier Schlepper und zwei Anhänger transportierten die Weißburgunder Trauben aus der Lage „Chorherrnhalde“ mitsamt der Lesehelfer ins Weingut.  Am Kelterhaus wurde dann auf den erfolgreichen Herbstabschluss angestoßen. So ist das Tradition. Nur in diesem Jahr wurde das obligatorische Gruppenbild dann eben mit Maske gemacht.

Alle sind erleichtert, dass die Lese gut gelaufen ist. Und damit meine ich nicht nur die Weinqualitäten und die Wetterbedingungen, sondern vor allem die Tatsache, dass alle Erntehelfer bis zum letzten Lesetag gesund und munter geblieben sind.

Soziale Kompetenz war in diesem Jahr wichtig für die Traubenqualität

Oder wie sagte unser Chef der Weinberge in Meersburg Peter Adam so schön: „in diesem Jahr war die soziale Kompetenz entscheidend“. Alle haben Verständnis gezeigt, dass auch in den Weinbergen eine Maske getragen werden muss. Das hat den Ablauf natürlich enorm erleichtert. Denn mitten in die Lese platzte noch die neue Corona-Verordnung für Saisonarbeitskräfte. Es mussten kurzfristig Tests organisiert und überwacht werden. Die 50 deutschen und ausländischen Erntehelfer wurden in kleine Gruppen eingeteilt, die während der ganzen Lese getrennt voneinander arbeiteten. Sogar ein großer Toilettenwagen und ein Festzelt als provisorischer Aufenthaltsraum wurden aufgestellt.

Durch die vorgeschriebene Fläche bei der Unterbringung der ausländischen Erntehelfer konnten nur zehn langjährige Mitarbeiter aus Polen engagiert werden. Hier herrschte das Motto: zusammen wohnen – zusammen arbeiten. Es gab also (leider) in diesem Jahr keinen Kontakt zu den anderen Arbeitskräften. Auch eine betriebsinterne Quarantänestation musste für alle Fälle bereitgehalten werden. Nochmal Peter Adam: „Alle Maßnahmen nutzen nichts, wenn sich die Mitarbeiter nicht diszipliniert und umsichtig verhalten. Aber sogar vor der Kaffeemaschine wurde der Abstand von 1,50 m eingehalten!

Eine alte Winzerweisheit besagt: Wenn du glaubst es gibt viel, gibt es noch mehr. Wenn du glaubst es gibt weniger, gibt es noch weniger.

Mit ca. 260.000 L Jungwein zählt der Jahrgang 2020 mengenmäßig zu den kleinsten der letzten Jahre. Das lag vor allem an der langen Blütedauer, den vielen unvollständig befruchteten und dadurch sehr kleinen Beeren. Aber auch an den 70l/m2 Niederschlag Anfang September, die einen Teil dieser Beeren zum Platzen und Auslaufen brachten. Bei hohen Temperaturen war dann die Gefahr durch Essigfäule und Drosophila Befall groß. Es musste schnell und doch selektiv geerntet werden. Zum Glück ließ im Laufe der Lese der Befallsdruck deutlich nach.

Qualitativ sind wir sehr zufrieden. Die Witterung und der Reifeverlauf ermöglichten die Erzeugung von Weinen mit nicht zu hohen Alkoholgehalten, einer schönen Fruchtsäure und einer reifen Aromaausprägung. Zu Beginn des Herbstes Mitte September gab es zwar hohe Tagestemperaturen mit warmen Nächten, in denen die Fruchtsäurewerte der Trauben abnahmen. In dieser Zeit konnten wir nur vormittags lesen, damit die Trauben möglichst kühl in den Keller kamen und nicht unkontrolliert zu gären begannen. Vom Hohentwiel waren die Trauben sogar mit Trockeneis heruntergekühlt und im Kühlwagen nach Meersburg gebracht worden…

In den sechs Wochen der Weinlese war vom Wetter her wirklich alles dabei. Hitze und halbe Lesetage zu Beginn, Bodenfrost am Ende der Lese, Landregen, Schauer und zum Glück auch viel Sonne.  Die Erntemenge ist mit 70% eines Normalertrags zwar klein, aber die Mostgewichte liegen alle im Prädikatsbereich. Wir erwarten schlanke Weine mit sehr moderatem Alkoholgehalt und einer angenehmen, lebendigen Fruchtsäure. Aber so richtig wissen wir es erst, wenn wir den ersten Wein   (und nicht Jungwein!) des Jahrgangs 2020 getrunken haben.

Wir freuen uns darauf!