Nichts ist schwerer als Leichtigkeit!

Natürlich gibt es immer noch Weintrinker, die Roséweine nicht für wirklich ernstzunehmende Weine halten – weil sie nicht zum Lagern gedacht sind, man mit ihnen nicht spekulieren kann oder weil sie irgendwie als unmännlich gelten.

Aber hey, wer verkörpert denn Leichtigkeit am besten? Ok, nicht alle Roséweine sind leicht, schon klar. Aber ein Roséwein zaubert sofort ein Lächeln auf die Gesichter und wenn der Geschmack dann auch noch passt, ist ein Rosé unschlagbar im Hier und Jetzt.

Ein Rosé passt im Übrigen auch überall da gut zum Essen, wo ich bisher fast ausschließlich Weißweine getrunken habe. Ob bei einer Pasta mit frischen Tomaten und Burrata, einem Risotto mit Steinpilzen oder einem Rinderfilet mit Kräuterkruste. Passt immer!  Es macht Spaß einige Wochen lang konsequent nur Rosé zum Essen zu trinken. Jedes Gericht erfährt dadurch eine ganz neue Nuance und die eigene Perspektive ändert sich ebenfalls. „Tja, der Wein macht eben was mit einem.“ (Zitat meiner Freundin Anna)

Rosé aus Deutschland

In Deutschland können alle Roséweine, die aus einer einzigen Rebsorte erzeugt wurden, die Bezeichnung Weißherbst tragen. Also z.B. Spätburgunder Weißherbst, Portugieser Weißherbst, Lemberger Weißherbst usw. Müssen sie aber nicht, sie können auch Spätburgunder Rosé heißen. Klingt halt internationaler…  Durch ihre besondere Leichtigkeit, Fruchtigkeit und Frische sind die deutschen Rosés auf jeden Fall perfekte Sommerweine. Aus der Rebsorte Spätburgunder werden mit Abstand die elegantesten Weine gekeltert werde, ganz einfach, weil die Spätburgundertraube als Diva unter den roten Sorten gilt.

Auch die teuersten Weine des Burgunds werden z.B. aus Spätburgunder (Pinot Noir) gemacht. Ein Rosé der aus mehreren Sorten hergestellt wurde, eine sog. Cuvée heißt ebenfalls Rosé und ist oft mit einem Fantasienamen versehen. Kann auch lecker sein, wenn man die beteiligten Sorten mag, wie z.B.  Dornfelder oder Regent.

Die deutschen Kunden schätzen offensichtlich den Rosé. Jede zehnte hierzulande eingekaufte Weinflasche ist roséfarben! ( Quelle: deutsches Weininstitut 2020) Die deutschen Erzeuger sind übrigens beim Roséwein mit Abstand Marktführer im eigenen Land.

Rosé aus Frankreich

Das Land ist der größte Rosé-Produzent der Welt und dementsprechend groß ist die Auswahl an Roséweinen. Der Rosékonsum ist hier seit 2002 kontinuierlich gestiegen und wird auch zunehmend saisonunabhängiger, denn jeder hätte gerne ganzjährig „la vie en rose“.

Wer einmal in der Provence war, muss allein schon zur Erinnerung an diese traumhafte Region regelmäßig zum Rosé greifen. Hier kommen wohl auch die bekanntesten Roséweine Frankreichs her.

Nahezu 90% der Weine aus der Provence sind roséfarben. Die dominierenden Rebsorten sind Grenache, Carignan, Cinsault und Mourvèdre. Die Top 3 Appellationen sind:

  • Côtes de Provence (ca. 21.000 ha)

  • Coteaux d’Aix-en-Provence ( 4.200 ha)

  • Coteaux Varois-en-Provence ( 2.500 ha)

Viel kleiner aber unter Weinfreunden sehr geschätzt ist die AOC Bandol. Von hier stammen Roséweine, die zu 100% aus Mourvèdre bestehen. Die Weine sind sehr charaktervoll und haben nichts mit den Sommer-Terrassen-Rosés gemeinsam. Aus dieser Sorte stammen auch hervorragende Rotweine. Berühmt sind die Weine der Weingüter Tempier und Pibarnon.

Ein anderer bekannter Rose ist der Tavel von der südlichen Rhône. Und immer noch ein echter Geheimtipp ist der Cabernet d’Anjou von der Loire. Die Apellation Controllée heißt AC Rosé d’Anjou oder Anjou Rosé. Die Hauptrebsorten sind Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon.

Nicht zu vergessen – der Champagner! Wer einmal einen superben Rosé-Champagner getrunken hat, gerät ins Schwärmen, doch ist es immer noch eine Herausforderung einen sehr guten zu finden. Am besten man sucht nach einem Jahrgangschampagner und achtet auf eine zarte Farbe.

Natürlich ist auch das restliche Frankreich voll von Roséweinen – drink pink!

Rosado aus Spanien

Der Rosado wird in allen Weinbaugebieten hergestellt. Er kann reinsortig sein oder eine Cuvée. Eine gewisse Tradition für Roséweine gibt es im Gebiet Navarra.

In Spanien genießt der Rosé allgemein kein wirklich hohes Ansehen und die Masse fristet eher ein Nischendasein im unteren Preissegment. Hier werden teilweise auch rote und weiße Trauben zusammengepresst um einen Roséwein zu erhalten. Nur das Verschneiden von roten und weißen Weinen ist in der EU für Roséweine verboten.

Natürlich gibt es auch hier einzelne Erzeuger, die gerade für den deutschen Markt hochwertige Roséweine herstellen. Dies sind dann in der Regel eher kräftige Rosés, die ganz gut zu Fleischgerichten passen.

 

Rosato aus Italien

Wenn ich an Rosé aus Italien denke, fällt mir sofort der Chiaretto vom Gardasee ein. Göttlich!

Korrekt heißt er DOC Chiaretto del Garda. Er hat bereits seit 1967 diese Ursprungsbezeichnung, als einer der ersten Weine Italiens überhaupt… Dieser Wein ist ein als Rosé gekelterter Bardolino.

Der Bardolino wiederum ist eine Cuvée aus Corvina, Rondinella und Molinara und anderen, noch unbekannteren Trauben. Natürlich gibt es Chiaretto auch mit anderer Herkunft und aus anderen Rebsorten, aber der Bardolino Chiaretto ist einfach der Klassiker! Dann gibt es den Begriff des Cerasuolo, der die helle, kirschrote Farbe eines Roséweines bezeichnet. Es gibt z.B. den Cerasuolo d’Abruzzo  aus der Rebsorte Montepulciano aus der Region Abruzzen oder den Cerasuolo di Vittoria aus Sizilien.

Und noch ein Tipp: die Bowle kommt wieder!

Jede Bowle ist nur so gut wie der Wein und Sekt, den man dafür verwendet, denn nur gute Zutaten ergeben eine gute Bowle. Rosé und Weißherbst sind hervorragende Partner für eine frisch-fruchtige Sommerbowle. Insbesondere mit Erdbeeren harmoniert beispielsweise ein Spätburgunder Rosé geschmacklich wie farblich hervorragend.

Von der Augenweide ganz zu schweigen…