Die wichtigste Botschaft gleich zu Beginn: es gibt nicht den einen Lieblingswein fürs ganze Leben. Es gibt Lebensabschnitte, die von bestimmten Weinen begleitet werden. Es gibt Momente zu denen ein ganz bestimmter Wein perfekt passt. Oder Momente, die aus einem banalen Wein den perfekten Wein machen. Denn der Mensch und sein Geschmack ändern sich über die Jahre…

Klar, der mittelalte Mensch glaubt ohne Riesling nicht leben zu können. Und fängt dann etwas später im Leben an, mehr Chardonnay oder Muskateller zu trinken, vielleicht weil die Säure einfach etwas dezenter ist. Oder er bevorzugt intensivere Bukettsorten, wenn seine Geschmacksknospen etwas nachlassen.

Der junge Mensch startet gerne mit nicht ganz trockenen oder nicht ganz so säurebetonten Weinen in sein Weinleben. Und für ihn spielt die Story hinter dem Wein eine sehr große Rolle – und das Etikett.

Eine Liebesgeschichte mit Wein

Dies kann schon der Einstieg sein in eine Liebesgeschichte mit Wein: der Moment, als Sie das erste Mal einen Wein getrunken haben, von dem Sie restlos begeistert waren. Und der sie dazu gebracht hat immer wieder Wein zu trinken – auf der Suche nach dem perfekten Wein.

In dem wunderbaren Buch „Reading between the wines“ von Terry Theise beschreibt er sein Herantasten an den Wein und wie er als Jugendlicher zum ersten Mal einen restsüßen Riesling im Supermarkt gekauft hat. Seine Freundin und er fanden ihn so lecker, dass er am nächsten Tag gleich losging um ihn nochmal zu kaufen. Als genau dieser Wein ausverkauft war und links und rechts die Regale noch voll waren, begriff er auf Anhieb zwei wichtige Dinge:

  • Es gibt Weine die definitiv besser schmecken als andere und das merke nicht nur ich!
  • Wenn dir ein Wein schmeckt, kaufe mehr davon, denn der Wein und der Jahrgang könnte sonst ausverkauft sein.

Ein nicht mehr verfügbarer Lieblingswein kann deshalb auch schon mal Szenen der Verzweiflung hervorrufen. Eine Dame wollte ihren Lieblingsrosé in unserem Ladengeschäft nachkaufen, Ihren „Hauswein“ wie sie ihn nannte. Als sie hörte, dass er ausverkauft sei, musste Sie sich erstmal hinsetzen um diesen Schreck zu verdauen. Denn sie wusste, die Suche beginnt von Neuem…

Wo also Wein kaufen?

Im Supermarkt?

Kleine Märkte führen auch regionale Winzer, große Ketten haben eher ein einheitliches Sortiment mit großen Marken.

  • Keine angestaubten, lieblos präsentierten Flaschen kaufen!
  • Ein schönes Etikett sagt nichts über die Qualität des Weines aus, manchmal kann nur das schöne Etikett den Wein verkaufen.
  • Bei Weißweinen und Roseweinen auf den Jahrgang achten. Drei Jahre bei guter Lagerung sind ok, aber in einem hell beleuchteten, aufgeheizten Laden eher nicht.
  • Normalerweise ist kein Verkosten möglich.
Im Fachhandel?

Hier können Sie nach Herzenslust Fragen stellen und den ein oder anderen Wein verkosten, den der Händler zur Probe anbietet. Leider kann er nicht jeden Wein öffnen, das würde ihn langfristig ruinieren…

  • Wenn Sie und der Verkäufer oder die Verkäuferin auf der gleichen Wellenlänge sind, haben Sie gute Chancen eine Empfehlung zu erhalten die passt. Und hier können Sie Fragen stellen. Gute Verkäufer lieben Fragen! Denn irgendwann weiß der Kunde was er will und was ihm schmeckt und kann es auch formulieren. Dann ist es eine einfache Übung für den Verkäufer den Kunden glücklich zu machen.
  • So nach und nach bildet sich ein Profil heraus, das einem passt: eher Rosé, eher nicht so viel Säure, eher wenig Alkohol, eher deutsche Rosés, usw. Das heißt einfach bewusst aussuchen und anschließend abspeichern ob der Wein gut war und warum.
  • Immer weiterprobieren… Probieren geht über Studieren!
Online?

Hier gibt es eine große Auswahl von Shops und Probierpaketen, auch oft mit ausführlichen Weinbeschreibungen. Die Erfolgsquote ist natürlich Glücksache, aber Spaß macht es trotzdem!  Über entsprechende Bewertungen von anderen Kunden kann man sich an seinen Lieblingswein herantasten.

  • Auch viele Weingüter haben Online-Shops.
  • Bei sogenannten Wein-Abos bekommen Sie regelmäßig eine neue Auswahl von Weinen nach Hause geliefert.
Im Weingut?

Hier sind Sie ganz nah an der Quelle und können die Information direkt vom Erzeuger bekommen. Und erfahren wie viel Arbeit in einer Flasche Wein steckt. Dabei können Sie so vorgehen:

  • Herausfinden welche Weingüter z.B. auch Weinproben anbieten oder wo man vor dem Kauf auch verkosten kann
  • Herausfinden wie die Öffnungszeiten sind und eventuell auch anrufen. Bei kleinen Betrieben besonders wichtig, weil der Winzer auch im Weinberg oder im Keller sein kann
  • Nach den Rebsorten – Spezialitäten der Region fragen die Sie besuchen
  • Der Winzer erwartet keine Wein Crack, er freut sich am meisten über Neugier und Begeisterung für Wein

 

Noch ein wichtiger Tipp: wenn Sie den Wein vor dem Kauf nicht probieren können, dann nehmen Sie einfach eine Flasche mit und probieren Sie den Wein erstmal zuhause am Küchentisch.  Denn dort muss er sich bewähren und dort muss er schmecken. Je nachdem was normalerweise am häufigsten auf Ihren Tisch kommt, Fleisch oder Gemüse, Pasta oder Kartoffeln, entscheidet auch darüber, welcher Wein häufig zum Einsatz kommt.

Wenn Ihnen ein Wein nicht schmeckt, kann er einfach fehlerhaft sein oder einfach nicht Ihren Geschmack treffen. Und je mehr Sie probieren, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit Ihren Wein zu finden. Vielleicht ganz unerwartet im Freundeskreis oder bei einem Familienfest…

Und wie merken Sie, dass Sie Ihren Lieblingswein gefunden haben? Wenn Ihnen das Wasser im Mund zusammenläuft, Ihre Augen strahlen und die Begeisterung ihre Zunge lockert – sie geraten ins Schwärmen!