Eine Weinprobe für alle im Vineum am Bodensee!

Es ist Freitagabend und der See heißt seine zahlreichen Wochenendgäste willkommen. Während sich die Lokale langsam füllen, machen wir uns auf zur Weinprobe des Staatsweinguts Meersburg im vineum Bodensee. Zuvor haben wir uns im Weinverkauf des Weinguts angemeldet.

Wir versammeln uns vor dem Museum in der Vorburggasse in der Oberstadt  Meersburgs, ganz in der Nähe des Neuen Schlosses. Das ehemalige „Heilig Geist Spital’ ist ein denkwürdiger Ort, wo auch eine über 400 Jahre alte Torkel steht, die sogar noch funktioniert…Wir sind eine Gruppe von etwa 20 Personen, manche haben ihre Eintrittskarte bereits im Staatsweingut gekauft, wir anderen können unser Ticket auch hier beim Probensprecher erwerben. Er ist ein Experte in Sachen Wein und wird uns durch die Probe führen. Wir sind jetzt froh, dass wir reserviert haben, denn die Nachfrage ist wirklich groß.

Bereits der Eingang des vineums ist geheimnisvoll. Wir tauchen ein in eine ganz besondere Mischung von antiken Zeitzeugen und moderner Lebendigkeit. Den Mittelpunkt dieses Raumes bildet die älteste Torkel des Bodenseeraumes, die beachtlich knarzt. In mystisches Licht getaucht zeigt uns die Torkelshow, wie früher Wein gepresst wurde. Es ist eine der ältesten noch funktionstüchtigen Weinpressen Europas. Nach dieser „Showeinlage“ durchqueren wir eine fröhlich bunte Ausstellung von allerlei Weinprodukten und erreichen schließlich den Verkostungsraum, die sogenannte Vinothek. Schön beleuchtet und modern gestaltet, sind die Sitzplätze kreisförmig angeordnet – mit kleinen Tischchen für unsere Gläser. Wir nehmen Platz und erfahren etwas über die Geschichte und Struktur des Staatsweinguts, seine Anbauflächen, Rebsorten und Abfüllmengen.
Das Weinrondell

Hier sitzen wir also in einer Art „Weinrondell’. An diesen Begriff denke ich, wenn ich in die gut aufgelegte Runde blicke. Die Weinprobe wird moderiert von einem sehr sympathischen Mitarbeiter des Weinguts, der uns mit viel Sachverstand und vor allem in verständlichen Worten erklärt, was es mit den Weinen auf sich hat. Es geht um die Besonderheiten der Rebsorten, die Unterschiede der Anbaugebiete oder die Auswirkung des Terroirs. Vieles, was man sich schon oft gefragt hat, wird auf einmal klar. Während wir die Weine probieren, geht der Probensprecher reihum und wir können ihm nach Herzenslust Fragen stellen. Er antwortet gerne und kompetent, ohne uns das Gefühl zu geben, ein Grünschnabel in Sachen Wein zu sein. Als Weintrinker konzentriert man sich ja darauf, herauszufinden welche Weine einem schmecken. Und warum schmeckt uns der eine Wein und der andere nicht? Man liest und hört ja vieles, aber die Zusammenhänge herzustellen ist uns bisher nicht gelungen. Deshalb wollten wir schon immer einmal eine Weinprobe machen und in der Tat – hier erfahren wir viel über unseren eigenen Geschmack und der Kreis schließt sich.

In dieser offenen Atmosphäre kommen wir mit unseren Nachbarn ins Gespräch und erfahren ganz nebenbei von unserem Probensprecher zu welchem Essen unser Wein passen könnte. In diesem Rahmen kann man die Weine viel besser und bewusster probieren, insgesamt sechs Weine stehen auf dem Programm. Irgendwie hat man sich ja auf seine Lieblingsrebsorte ein bisschen festgelegt. Umso schöner ist es, wenn man mal andere Rebsorten oder andere Ausbauarten kennenlernt.

Zu guter Letzt spazieren wir einfach nur um die Ecke zum Staatsweingute Meersburg. Im Kelterhaus erfahren wir wie aus Trauben Wein wird. Dort stehen auch die modernen Weinpressen und zahlreiche Maischegärtanks. Mit einem Glas Secco in der Hand schauen wir uns noch einen kurzen, unterhaltsamen Film über die Arbeit des Winzers übers Jahr an, bevor wir dann beschwingt in den historischen Weinkeller hinabsteigen.

Der fast 300 Jahre alte Weinkeller ist im ehemaligen Stadtgraben Meersburgs untergebracht und ist Deutschlands einziger Weinkeller mit Seeblick! Hier ruhen sie also eine Weile, die Weine, bis sie in die Flasche gefüllt werden und wir sie verkosten können. Wir sind beeindruckt vom Eindruck der Zeitlosigkeit, die in diesen Gemäuern herrscht. Es gibt einige historische Weinfässer, die die lange Tradition des Weinguts veranschaulichen. Hier erfahren wir auch den Unterschied zwischen Ausbau im Stahltank und im Holzfass oder wie Hefen eingesetzt werden. Wir bewundern die Holzfässer mit den geschnitzten Fassböden und freuen uns über die schöne Atmosphäre und die neu gewonnenen Erkenntnisse. Auf dem Rückweg nach oben führt uns die Kellertreppe mit jeder Stufe ein gefühltes Grad näher an die herrliche Wärme des Sommerabends. Jetzt können wir unsere Pullis wieder im Rucksack verstauen. Ach, einfach schön ist es hier… Morgen gehen wir Wein kaufen. Oder doch gleich noch ein Gläschen trinken gehen, gegenüber in der Gutsschänke? Ja!