Eine Weinprobe mit alten Weinen erinnert an eine Art Schatzsuche. Wer denkt da nicht sofort an den Film „Der Schatz im Silbersee“ nach dem Roman von Karl May, sieht sofort Winnetou und Old Shatterhand durch die Prärie reiten und schwelgt in Erinnerungen an wunderbare Abenteuer in herrlicher Landschaft!

Bei uns im Staatsweingut Meersburg geht es um eine Schatzsuche am Bodensee und niemand muss durch die Prärie reiten oder Wasserfälle hinaufklettern.

Der Bodensee beherbergt viele ganz wunderbare Schätze, nach denen es sich zu forschen lohnt und zwar nicht auf den Grund des Sees versunken, sondern am Ufer und leicht zugänglich. Es sind die Schätze aus den Weinbergen, die den Bodensee malerisch umrahmen. Allen voran Meersburg mit seinen wie aus dem Bilderbuch entsprungenen Weinbergen, die zu einem großen Teil vom Staatsweingut Meersburg bewirtschaftet werden. Hier wachsen köstliche Trauben die ganz hervorragende Weine versprechen und das bereits seit mehreren Jahrhunderten! Unsere neue Veranstaltungsreihe „Schatzsuche am Bodensee“ führt sie im Rahmen einer Weinreise in diese Vergangenheit und direkt in die wohlgehütete Schatzkammer.

Wir begeben uns bei dieser Schatzsuche in die Tiefen der Erde – in den historischen Weinkeller des Weinguts aus dem Jahre 1720.  Hier lagern rund 4000 Flaschen edler Tropfen und bei einer konstanten Temperatur zwischen elf und dreizehn Grad. Unter einer großen Anzahl an Weißweinen, finden sich auch die beiden ältesten Flaschen des Staatsweinguts: zwei Spätburgunder-Rotweine. Genauer gesagt handelt es sich um einen Meersburger Jungfernstieg und einen Meersburger Bengel Spätburgunder. Beide Flaschen stammen aus dem Jahr 1948, sind die einzigen Zeugen dieses längst vergangenen Jahrgangs und natürlich nicht verkäuflich!

Das ist bei anderen Jahrgängen zum Glück anders, fein ordentlich sortiert und aufgereiht lagern sie in der Schatzkammer und scheinen auf ihren großen Auftritt zu warten. Allein schon die Etiketten ziehen den Blick magisch an und sofort ist man ganz automatisch auf der Suche nach seinem Geburtsjahrgang, oder dem des eigenen Kindes oder des Partners…

Alte Weine bieten besondere Geschmackserlebnisse.

Ihre eigene Geschmacks- und Geruchstoleranz spielt dabei eine ganz wichtige Rolle. Wenn für Sie ein Rotwein nach schwarzen Beeren riechen muss und er kraftvoll und körperreich sein muss, dann werden Sie sich nicht so leicht der Welt der subtilen und ungewöhnlichen Düfte und Geschmacksnuancen öffnen.

Der Alterungsprozess beim Wein schreitet unaufhaltsam voran – wie beim Menschen. Und so wie die Menschen unterschiedlich altern, genauso ist es beim Wein. Viele Faktoren spielen hierbei eine Rolle: genetische Faktoren, Traubenqualität, Lebensumstände, Lagerbedingungen oder Pflege, nur um einige Beispiele zu nennen.

Irgendwann gibt es aber einen Zustand, in dem der Wein beginnt flach zu werden – wenn er schwach wird und es ihm schwerfällt, weiterhin seinen Charme zu versprühen. Dann sollte man den Wein möglichst schon getrunken haben, denn dann wird er sich nicht mehr erholen. Gehen Sie also mit Wohlwollen und Neugier auf alte Weine zu. Sie dürfen Erwartungen haben, aber erwarten Sie bitte keinen Waschbrettbauch mit Pfirsichhaut, wenn Sie mit einem interessanten, reifen Herrn verabredet sind, der schon viel erlebt hat…

Viel Spaß bei Ihrer Entdeckungsreise!

Sie werden überrascht sein, welche ausgefeilten Geschmacksnoten zum Tragen kommen, die man von jüngeren Weinen gar nicht kennt. Nicht wenige Weine profitieren von einer langen Reifezeit und munden im Alter besser als in der Jugend. Junge Rotweine, die zuweilen in ihrer Jugend noch kantig schmecken, werden mit den Jahren weicher. Zudem erlebt man reifere Weine auch oft süßer und runder, wie man am Beispiel vom Meersburger Lerchenberg Müller-Thurgau Kabinett aus dem Jahr 1983 schmecken kann. Dieser elegante Wein, der in jungen Jahren mit seinen floralen Aromen begeistert, besticht im zarten Alter von 26 Jahren durch eine komplexe Vollmundigkeit, die ihresgleichen sucht. Der Grund liegt auch hier in der langen Reifezeit, die aufgrund der Esterbildung den Eindruck vermittelt, dass der Säuregehalt des Weines abnimmt – was aber faktisch  nicht der Fall ist. Auch die Farbe der Weine verändert sich und wechselt von einem sehr hellen Gelbton über goldgelb hin zu satten orangenfarbenen Tönen oder bei Rotweinen von einem dunkelrot in ein warmes ziegelrot.

Auch wenn Weinexperten diese Phänomene durchaus erklären können, bleiben beim gesamten Prozess der Weinreifung noch einige Geheimnisse und Rätsel ungelöst. Was für ein schönes Beispiel dafür, dass wir nicht alles verstehen und erklären, aber umso mehrgenießen können! Lassen Sie sich also von unserer „Schatzsuche am Bodensee“ inspirieren und seien Sie gespannt:  auf drei oder sechs Weinschätze aus unserer Staatsweingut-Schatzkammer, die Sie entweder bei einer Stehprobe (mit 3 Weinen) oder in unserem Probierzimmer mit Seeblick (mit 6 Weinen) probieren können. Wer weiß, vielleicht ist sogar ihr Geburtsjahrgang dabei?