Kastanie oder Kürbis

Gerade jetzt im Herbst, der mit seinen Temperaturen schon einen leichten Vorgeschmack auf den Winter gibt, passt man sein Essverhalten den jetzt aktuell in der Heimat reifen Früchten und Gemüsen an. Statt leichter Sommersalate steht ein deftiger Eintopf auf dem Tisch, statt luftigem Carpaccio ein kräftiger Wildbraten und vor allem Kastanien und Kürbisse wandern wie von selbst auf unsere Speisekarte. Schon beim Zubereiten dieser herbstlichen Spezialitäten fühlt man sich an einen ausgiebigen Spaziergang durch heimatliche, herbstliche Wälder erinnert. Man riecht fast schon das feuchte Holz und die Nadeln der Bäume, hört praktisch ein Knistern und Rauschen der Wälder, sieht manchmal sogar ein Reh oder einen Fuchs ins Dickicht fliehen und scheint die Kälte in Fingern und Füßen zu spüren. Spätestens beim Kochen zuhause laden dann die dabei entstehenden Düfte zu einer passenden Weinbegleitung ein und machen Lust auf ein gemütliches Herbstdinner – zu zweit oder mit Freunden- inklusive Heimatgefühl.

Der Kürbis

Während sich der Kürbis optisch innerhalb der letzten Jahre sehr deutlich durchgesetzt hat und an Präsenz rund um Allerheiligen fast nicht zu übertreffen ist,  genießt er als heimische Frucht auch kulinarisch hohe Anerkennung. Hier gilt tatsächlich Klasse trotz der Masse! Ob als Vorspeise oder Hauptgericht, geschmort oder gekocht, püriert oder in Stücken – in jedem Fall gilt der Kürbis als sichere Bank in der Küche, gerade auch für vegetarische Gerichte. Der Kürbis als herbstliches Muss – die Weinbegleitung  hingegen ein wunderschönes Kann!

Die Kastanie

Etwas differenzierter geht es da schon bei Kastanien zu. Selbstverständlich tauchen beim Wort Kastanie in unseren Köpfen zu aller erst die von Kindern hingebungsvoll gebastelten Igel aus Kastanien, kleine Kastanien-Männchen oder Kastanienketten auf. Dicht gefolgt von einem anderen Bild im Kopf, nämlich die Erinnerung an diese wunderschönen dunkelbraunen und glatten Früchte, die sich so harmonisch in die Hand schmiegen und ein natürlicher Handschmeichler zu sein scheinen, vor allem dann, wenn die Kastanien gerade frisch vom Baum gefallen sind.  Aber auch in der heimischen Küche scheint die Esskastanie mittlerweile angekommen zu sein,  allerdings noch nicht ganz so fest verankert wie der Kürbis. Vielleicht ändert sich das jetzt,  denn in diesem Jahr wurde die Esskastanie zum Baum des Jahres gewählt!  Heiße Maronen, ein Synonym für essbare Kastanien, kennt man von den diversen Weihnachtsmärkten und weiß, dass diese sich gut bis sehr gut mit dem dort ausgeschenkten Glühwein vertragen. Auch die Südtiroler Tradition des Törggelen (übrigens abgeleitet aus dem lateinischen von torculus – deutsch: Weinpresse) schwappt immer mehr zu uns an den Bodensee. Damit landet  bei uns eine kulinarische Bereicherung bestehend aus gerösteten Kastanien aus dem Backofen, die mit Speck, Roggenbrot, Feigensenf u.a. gereicht werden und einfach nur lecker schmeckt! (Tipp: die Maronen am besten mit einem Teppichmesser kreuzförmig einritzen, bevor man sie leicht angefeuchtet in den Backofen gibt!) Ebenso gilt auch das Maronenpüree zu Recht als Delikatesse, denn kaum eine andere Beilage ist eine derart geniale Ergänzung zu sämtlichen Wildragouts! Probieren Sie also die herbstlichen kulinarischen Genüsse aus! Natürlich mit Weinbegleitung! Und nein, es muss nicht immer ein Rotwein sein, der zu den intensiven Geschmacksnoten dieser Herbstgemüse gereicht werden sollte, auch ein feiner Grauburgunder vom Staatsweingut mit seiner Birnennote kann den leicht erdigen Geschmack von frisch gerösteten Maronen ganz wunderbar ergänzen.

Die Weinempfehlung

Eingefleischte Rotweinfans dürfen natürlich weiterhin zum Pinot Noir greifen, der mit seiner trockenen und gleichzeitig fruchtigen Note grundsätzlich kräftige Gerichte harmonisch begleitet.  Auch ein Meersburger Bengel Spätburgunder ist hier vorstellbar, spielen doch die Kaffee- und Kakaonoten in Verbindung mit den Tanninen dieses Weines hervorragend mit den Geschmacksnoten dieser Herbstgerichte. Anstatt sich also an längst überlebte und überalterte Ratschläge zu halten und Weißwein nur zu Fischgerichten zu trinken, kann man hier durchaus experimentierfreudig sein: ein weißer, etwas kräftigerer Wein, wie z.B. ein Grauburgunder zu Wildgerichten oder Früchten des Waldes ist ein wahres Herbstgedicht! Zum Wohl!