Der Job als Winzerin ist ja für Frauen eher ungewöhnlich, wie sind Sie darauf gekommen Winzerin zu werden und wo haben Sie Ihre Ausbildung gemacht?

Es fing alles damit an, dass ich mit den Weinhoheiten aus Sachsen in den Kontakt gekommen bin. So wurde ich quasi in das Thema Wein hinein geschupst und habe bei verschiedenen Veranstaltungen den Beruf näher ins Auge gefasst.

Als ich mir dann über die Berufsorientierung Gedanken machen musste, habe ich angefangen mich in der Branche des Winzers genauer umzusehen. So habe ich zum Beispiel in Saale-Unstrut im Weingut Kloster Pforta bei der Lese mitgeholfen. Im sächsischen Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul, wo ich auch meine Ausbildung zur Winzerin absolviert habe, konnte ich mir den Produktionsbereich näher ansehen. Auch im Weinbauverband Sachen durfte ich im Bereich Marketing und Management mitarbeiten.

So habe ich mich entschlossen diese Ausbildung zu machen. Eben auch, weil das Berufsbild Winzer sehr vielfältig ist und für die Zukunft weitere Qualifikationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.Und ja, Sie haben Recht. Dieser Job ist eher ungewöhnlich für Frauen. Das habe ich zum Beispiel auch während meiner Ausbildung festgestellt, da ich in meinem Lehrjahr die einzige weibliche Person unter vier weiteren Lehrlingen war. Auch auf manchen Weiterbildungen, die ich besuche, heißt es meist „ … sehr geehrte Dame und Herren, …“ In den letzten Jahren sind allerdings auch mehr Frauen zu diesen Beruf gestoßen, allerdings kommen die meisten aus Winzerfamilien.

Bei Ihrer täglichen Arbeit am Hohentwiel haben Sie auch viel mit schweren Maschinen im Weinberg zu tun, das ist sicher nicht immer leicht?

Das stimmt allerdings. Obwohl die kleinen Schmalspurschlepper jetzt vielleicht nicht unbedingt zu den schweren Maschinen zählen. Aber die Anbaugeräte haben schon ein ordentliches Gewicht und das Anbauen ist nicht immer einfach. Klar, bekommt man mit der Zeit ein paar Tricks wie es leichter geht. Dennoch bin ich froh, wenn ein Kollege mitarbeitet, der mir schwere Sachen abnehmen kann. Das Traktorfahren macht mir viel Spaß. Manchmal kommt man allerdings schon mal an seine Grenzen, wenn man steile Hangneigungen zu bewältigen hat. 

Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf?

Mich begeistert die Abwechslung. In der Woche steht man im Weinberg, fährt Traktor und pflegt die Rebstöcke. Am Wochenende kann man auf Messen und Veranstaltungen mit den verschiedensten Menschen in Kontakt kommen. Ein Winzer braucht in seinem Leben eigentlich auch zwei Outfits. Zum einen die Arbeitshose und die Sicherheitsschuhe und zum anderen die Bluse und die Absatzschuhe. Der Beruf ist auch nicht an eine Region gebunden, sondern weltweit möglich. Die Arbeit in und mit der Natur ist einfach toll. Wo kann man beispielsweise im Herbst fast jeden Morgen einen wunderschönen Sonnenaufgang erleben? Zurzeit kann ich mir nur schwer vorstellen den ganzen Tag im Büro zu arbeiten. Und jeder Jahrgang ist anders, was ich unglaublich spannend finde.

Sie stammen aus Sachsen, wie kamen Sie auf die Idee an den Bodensee zu kommen?

 Mich hat die Gegend schon immer gereizt. Und nach meiner Berufsausbildung wollte ich gerne weitere Erfahrungen sammeln. Der Gedanke war eben auch dort zu arbeiten, wo andere ihren Urlaub machen und die Bodenseeregion ist einfach wunderschön. Der Badestrand ist gleich um die Ecke, der Fahrradweg vor der Haustür und die Alpen zum Skifahren sind quasi auch gleich nebenan – was will man mehr.

Warum haben Sie sich das Staatsweingut Meersburg ausgesucht?

 Nach dem Entschluss an den Bodensee zu ziehen, habe ich natürlich einige Bewerbungen geschrieben. Vom Staatsweingut habe ich die erste Rückmeldung bekommen und eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch erhalten. Am Ende habe ich mich sehr gefreut, dass ich wiederum in einem Staatsweingut meinen Arbeitsvertrag unterschreiben konnte.

Wo sind die Unterschiede beim Weinbau in Sachsen und hier am Bodensee?

Zum einen liegt der Unterschied im Klima. Hier am Bodensee ist es wärmer, die Sonnenstunden im Vergleich zu Sachsen höher. Allerdings sind die Niederschlagsmengen am Bodensee größer.Auch unter den Rebsorten gibt es in beiden Gebieten Spezialitäten. In der Bodenseeregion ist der Müller-Thurgau ein Klassiker. In Sachsen ist es der Goldriesling, der nirgendwo anders angebaut wird. Und während am See die Fruchtigkeit betont wird, haben die Weine aus Sachsen ein interessantes Süße-Saure-Verhältnis.

Die Mentalität der Sachsen und der Badener sind wahrscheinlich sehr unterschiedlich?

So große Unterschiede gibt es eigentlich nicht. Die Leute hier im Süden sind gelassener und die Sachsen eher ein bisschen quirliger. Man merkt aber, dass beiden ihre Heimat wichtig ist und dass überall gerne Wein getrunken wird. Wobei in Sachsen der Kaffee auch nicht zu kurz kommt.

Wenn Sie nur noch eine Sorte Wein trinken dürften, welche wäre dies?

 Für einen Winzer ist das schon eine schwierige Frage. Wobei ich für mich den Müller-Thurgau am Bodensee neu entdeckt habe!

Ihre Arbeit in den Weinbergen ist oft vom Wetter beeinflusst, wie geht man damit um?

 Auf alle Fälle sollte die richtige Arbeitskleidung vorhanden sein um sich bei verschieden Wetterlagen schützen zu können. Bei Hitze und starker Sonneneinstrahlung dürfen die Sonnencreme und die Kopfbedeckung nicht fehlen. Im Winter kommt dann das bekannte Zwiebelprinzip zum Einsatz.  Natürlich kann es auch mal regnen, dafür gibt es Gummistiefel, Regenhose und Regenjacke. Wie sagt man so schön – es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung.

Und die Wetter-App auf dem Handy ist immer mit dabei…

Wie entspannen Sie sich nach einem langen Tag in den Weinbergen?

Das kommt auch ein bisschen auf den Tagesablauf an. Das kann ein gutes Essen sein, eine nette Runde unter Freunden oder man lässt den Abend auf der Hollywoodschaukel oder am Seeufer ausklingen. Gerne mit einem ein Glas Wein! Vorab bevorzuge ich allerdings eine kalte Dusche. Ansonsten halte ich es mit Goethe: Für Sorgen sorgt das liebe Leben und Sorgenbrecher sind die Reben.